Warum ist das Meer blau, wenn Wasser klar ist?
Das Blau des Meeres

Auf dem Urlaubsfoto sieht das Meer herrlich blau aus. Daneben wirkt ein Glas Wasser ganz unschuldig. Wo ist die Farbe geblieben? Hier ist das Geheimnis: Wasser absorbiert rotes Licht leichter als blaues. Ein Glas verändert das Licht, das hindurchfällt, kaum. Ein Meer schickt es auf eine viel längere Reise, und Blau bleibt besser erhalten. Die Urlaubsfotos werden den Trick gleich verraten.

Jedes Mal ein bisschen weniger Rot
Stell dir vor, du bearbeitest ein Foto einer roten Muschelschale neben blauem Wasser. Du drehst den Rotanteil ein winziges bisschen herunter. Dann wiederholst du dieselbe Bearbeitung, immer und immer wieder. Irgendwann sieht die Schale matt aus, während das Wasser noch immer blau wirkt. Wasser verändert Licht auf ähnliche Weise: Es absorbiert Licht, nimmt dabei dessen Energie auf und entfernt Rot schneller als Blau. Je mehr Wasser das Licht durchqueren muss, desto mehr kleine Bearbeitungsschritte gibt es.

Folge dem Licht unter die Wellen
Unter Wasser übernimmt die Entfernung die Bildbearbeitung. Sonnenlicht enthält viele Farben, doch Wasser absorbiert sie stetig mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Auf einem langen Weg durch klares Meerwasser verschwindet ein großer Teil des Rots, und hauptsächlich Blau bleibt übrig. Wasser lenkt auch einen Teil des Lichts zur Oberfläche und in unsere Augen um. Die Farben dieses zurückkehrenden Lichts wurden bereits bearbeitet. Das Meer braucht keine blaue Farbe; es braucht Platz.

Frisches Licht für die Muschelschale
Das erklärt eine Klage über Urlaubsfotos: Die rote Muschelschale sah aus der Nähe doch viel leuchtender aus! Eine Unterwasserkamera, die durch mehr Wasser blickt, empfängt weniger von ihrem roten Licht. Könnte eine Lampe in der Nähe helfen? Klick, schon ist sie wieder rosig. Die Lampe liefert frisches Licht, das Rot enthält und nur einen kurzen Weg zur Schale und zurück zur Kamera hat. Manchmal braucht ein besseres Foto einen kürzeren Arbeitsweg.

Sand schickt Sonnenlicht zurück
Das nächste Foto gibt geradezu an: türkisfarbenes Flachwasser über hellem Sand. Hier reflektiert der Sand das Sonnenlicht nach oben zurück, bevor das Wasser es so stark bearbeiten kann. Neben Blau bleibt mehr Grün erhalten, was diesem flachen Wasser oft sein türkisfarbenes Leuchten gibt. Weiter draußen begünstigen längere Reisen durch klares Wasser das Blau. Dieselbe Bildbearbeitung, ein sanfterer Eingriff und ein Strand, den man nicht vergisst.

Eine Wolke auf den Wellen
Jetzt taucht auf dem Meeresfoto eine Wolke auf. Aha, hier ist ein Spiegel im Spiel! Die Oberfläche reflektiert den Himmel, besonders wenn wir in einem flachen Winkel über sie hinwegschauen. Doch wenn wir nach unten in klares, tiefes Meerwasser blicken, trägt die Spiegelung des Himmels gewöhnlich nur wenig zum Blau bei. Der größte Teil stammt von der Reise des Lichts durch das Wasser. Der Himmel hat einen Gastauftritt, aber nicht das ganze Album bearbeitet.

Winzige Passagiere hinterlassen bunte Spuren
Dann kommen Fotos einer grünen Bucht und eines braunen Ufers. Wer hat die Einstellungen verändert? Diesmal hat das Wasser Gesellschaft. Winzige treibende Lebewesen namens Plankton können es grün färben. Sediment, kleine Teilchen wie Sand und Schlamm, kann es braun färben. Diese Passagiere verändern, welches Licht absorbiert oder zurückgeschickt wird. Forschende nutzen Bilder der Meeresfarbe, um Veränderungen bei Plankton und Sediment zu verfolgen. Ein Urlaubsanblick kann Hinweise enthalten.

Ein kleiner Schluck, eine lange Reise
Zurück neben den Urlaubsfotos wird das Glas Wasser von allen Vorwürfen freigesprochen. Klares Wasser lässt uns hindurchsehen, absorbiert aber trotzdem etwas Licht. Über die Breite eines Glases ist die Wirkung winzig; auf einer langen Reise durchs Meer geht viel mehr Rot verloren, und Blau bleibt besser erhalten. Das erklärt sowohl das blaue Meer als auch das verblasste Unterwasserfoto. Das Meer hatte Platz für Tausende kleiner Bearbeitungsschritte. Im Glas ist kaum Platz für einen Eiswürfel.